Die Dachsanierung ist eine kurze Arbeit mit hohem Einsatz: Sobald die Dacheindeckung entfernt ist, sind alle darunterliegenden Geschosse des Gebäudes der Witterung ausgeliefert. Die Schadenstatistik dieser Gattung wird nicht von komplizierten Fällen beherrscht, sondern von einem einfachen Szenario: nächtlicher Regenguss, unzureichende provisorische Abdeckung, durchnässte Geschossdecken. Dagegen schützen eine gute Arbeitsordnung – und eine passend zugeschnittene Deckung.
Die Grundregel der Dacharbeiten: nur so viel Fläche öffnen, wie am selben Tag wieder verschlossen werden kann – und jeden Arbeitstag in einem verschließbaren Zustand beenden. Die Erwartung des Versicherers deckt sich in der Regel genau damit: bemessene, befestigte provisorische Abdeckung (keine „übergeworfene Folie“), Verfolgung der Wettervorhersage, sofortiges Verschließen bei Sturmwarnung. Bei einem strittigen Schaden ist die erste Frage immer die Qualität des provisorischen Schutzes: Sturm-Artikel.
Wenn der Regenguss das Gebäude des Auftraggebers durchnässt, ist das eine Angelegenheit der Erweiterung für den Altbestand – bei Dacharbeiten praktisch ein unverzichtbarer Baustein. Wenn in einem Mehrfamilienhaus die Bewohner, in einem Bürogebäude die Mieter einen Vermögensschaden erleiden, ist das bereits eine Haftpflichtangelegenheit. Das eigene Material und der fertige Werkteil stehen unter der Deckung der Bauleistung. Ein einziger Regenguss kann alle drei Deckungen zugleich betreffen – deshalb müssen alle drei gut bemessen sein.
Der andere Risikokreis der Dacharbeiten ist die Arbeit in der Höhe: das Gerüst (Hilfsbauten-Artikel), herabfallendes Material und Werkzeug, der Schutz von Gehweg und Zugang. Herabgeworfener Schutt und herabfallende Dachziegel sind der Klassiker unter den Haftpflichtschäden. Die Arbeitsschutzpflichten verteilen sich gemäß den jeweils geltenden Vorschriften auf Bauunternehmer und Bauherrn (Bestellung eines Koordinators, Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan, Vorankündigung) – aus versicherungstechnischer Sicht kommt es darauf an, dass Schutznetz, Schuttrutsche und abgesperrte Schutzzone dokumentiert vorhanden sind.
Die Dachsanierung ist typischerweise jene „kleine Arbeit“, bei der sich die Frage nach der Notwendigkeit einer Projekt-Deckung stellt. Die ehrliche Antwort: Das Risiko richtet sich nicht nach der Dauer der Arbeit, sondern nach dem Wert darunter – über einem bewohnten Mehrfamilienhaus oder einem laufenden Betrieb sind auch wenige Wochen ein hoher Einsatz. Zur Abwägung: Artikel zum kleinen Projekt; für ein Unternehmen, das serienmäßig Dächer saniert, ist der Jahres-Rahmenvertrag hingegen der bequeme Weg.
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